• Jan Bruecklmeier

Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken?

Mir fällt in letzter Zeit der impulsive Beißreflex so mancher „Craft- Bier- Jünger“ auf, sobald es um Bier größerer Brauereien geht. Sofort werden alle Klischees bedient, minderwertiges Bier, schlechte Qualität und oben drein schmeckt es furchtbar. Schnell ist man sich einig das ein Bier aus so einer großen Brauerei zu dem Preis praktisch unmöglich gut sein kann.


Ist dem so?


Leider ist es hier Vielen nicht möglich zu differenzieren. Die rein messbare Qualität ist das eine, der Geschmack was Anderes und letztendlich sind soziale Gesichtspunkte der Faktor der bei vielen auf den Geschmack durchschlägt.


Warum eine große Brauerei bei absolut gleichem Rezept und absolut gleichem Prozess trotzdem das Bier viel günstiger anbieten kann ist sehr einfach. Der Effekt nennt sich „Econonomy of scale“ oder auf Deutsch Skaleneffekt. Der wird bei den Mitarbeitern sehr schnell deutlich. Benötigt eine kleine Brauerei mit etwa 12.000 hl Jahresausstoß 8 bis 10 Mitarbeiter in der Produktion, rechnet eine Groß Brauerei mit etwa einem Mitarbeiter je 10-15.000 hl. Also ein ganz gewaltiger Unterschied. Diese Effekte ziehen sich weiter, im Grunde dauert ein Sud mit 10 hl so lange wie ein Sud mit 1000 hl, das Reinigen eines Tanks mit 10 hl dauert so lange wie das eines Tanks mit 1000 hl usw. Dabei ist es aber mitnichten richtig das ein Sud mit 1000hl hundert Mal mehr Energie benötig als der mit 10hl und der große Tank braucht auch nicht 100 Mal mehr Wasser. Preis ist also der vollkommen falsche Aspekt um etwas über die Qualität oder sogar den Geschmack zu sagen.


Was meiner Meinung nach aber gegen ein „Craft- Bier“ aus einer der großen Brauereien in Deutschland spricht ist einfach der Gesichtspunkt der Biervielfalt. In Deutschland wächst die Zahl der Brauereien erstmalig seit wahrscheinlich hunderten von Jahren. Wenn wir uns aber den deutschen Biermarkt anschauen, dann machen gerade mal 11 Braueigruppen mit etwa 3% aller Baustätten etwa 60% der gesamten Bierproduktion. Dabei sind bei diesen Braugruppen gerade mal um 1% der Mitarbeiter der gesamten Brauindustrie in Deutschland angestellt.


Das ist für mich durchaus ein Grund mein Bier lieber bei kleineren, regionalen Brauereien zu kaufen. Ich bin aber ehrlich genug um zwischen Qualität, Geschmack und eben diesen „weichen Faktoren“ unterscheiden zu können. Das gehört nämlich auch zur so oft geforderten Transparenz. Ein "Industrie- Craft- Bier" kann also durchaus schmecken, ob man es kauft bleibt dann jedem überlassen.


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